Gemeinsames Ziel der Programme ist es, Eltern bei der Erziehungsarbeit mit ihren Kindern
zu unterstützen. Die Inhalte und Herangehensweisen sind jedoch sehr verschieden. Die
Kurse "Starke Eltern - Starke Kinder" des Kinderschutzbundes richten den Fokus auf das
Verhalten der Eltern. "Wir klären zunächst, wie die Teilnehmer selbst erzogen wurden und
was ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele sind", sagt Kursleiterin Stefanie Neveling. An
zwölf Seminarabenden lernen die Betroffenen, Erziehungsprobleme zu lösen.
"Die meisten kommen zu uns, wenn die Kinder zwei oder drei Jahre alt sind", berichtet Neveling. Das sei die Zeit, in der die Kleinen schon viel selber können, aber immer wieder an Grenzen stoßen. Dies mache sie hilflos und wütend. Mit dieser Wut umzugehen, mache die Eltern oft ratlos. Und das setze eine Spirale der Machtkämpfe in Gang, die nur schwer durchbrochen werden könne.
Die nächsten schwierigen Phasen seien erfahrungsgemäß das Einschulungsalter und die Pubertät. "Dann zweifeln viele Mütter und Väter an ihrer Erziehungsleistung", sagt die Sozialarbeiterin. Eltern sollten in dieser Entwicklungsphase akzeptieren, dass die Teenager eigene Wege gehen und sich andere Bezugspartner suchen.
"Wichtig ist, dass Kinder gelobt werden", nennt Diplom-Psychologin Dorothee Obermann ein Beispiel aus dem Trainingsprogramm. Eltern sollten beschreibend loben, indem sie beispielsweise sagen "Schön, dass du die Spülmaschine ausgeräumt hast". "Es ist oft sinnvoller, das Bemühen als das Ergebnis anzuerkennen", unterstreicht Obermann. Das motiviere die Kinder mehr. Weiterhin sollten Familien eine anregende und positive Lernatmosphäre für die Jüngsten schaffen und ihre eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen.
"Kinder brauchen vor allem Ermutigung", betont Petcov. Außerdem komme es auf die richtige Kommunikation an. "Eltern sollten zum Beispiel nicht sagen ´Du kommst immer zu spät´, sondern erklären, dass sie sich Sorgen machen, wenn der Nachwuchs nicht rechtzeitig nach Hause kommt", ergänzt die Erziehungsexpertin. Mütter und Väter sollten gute Zuhörer sein und Interesse an den Sorgen der Jüngsten zeigen.
Andererseits sei es wichtig, sowohl den Kleinen als auch den Teenagern Grenzen aufzuzeigen und dadurch die notwendige Orientierung zu geben. "Wenn das Kind beim Telefonieren stört, lernen die Erwachsenen, es zu ignorieren und ihm zu einem anderen Zeitpunkt Aufmerksamkeit zu schenken", sagt Petcov. Innerhalb bestimmter Grenzen sollten die Heranwachsenden aber auch Entscheidungen treffen dürfen, um selbstständig und verantwortungsbewusst zu werden.
Alle Fachleute sind sich allerdings einig, dass sich Mütter und Väter Zeit für ihre Kinder nehmen sollten. "Viele Probleme entstehen durch Stress - oder weil Eltern zu hohe Ansprüche an sich selbst oder an ihre Kinder stellen", sagt Stefanie Neveling und fasst zusammen: "Erziehung braucht Zeit".
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